Gründer oder VC – Wer ist hier eigentlich die Pappnase?

StartUps fragen sich oft, wo man Geld für seine innovative Idee herbeizaubern kann. Dieser Frage haben die Jungs und Mädels von Deutsche StartUps versucht durch eine interviewähnliche Artikelserie nachzugehen. Das sie das höchstwahrscheinlich, weniger objektiv (auch an Deutsche StartUps beteiligt) sind und durchaus unter die Note ungenügend (auch an Deutsche StartUps beteiligt) fallen, brauchen wir ja schon aus Gewohnheit nicht erklären…aber genug des Vorspiels

In dieser Serie ist der Investment-Manager Matthias Brix von Neuhaus Partners im Interview und soll jungen Unternehmern erklären, was man bei der Gründung beachten sollte und wie man am besten mit Venture Capital gebern umgeht, was ja grundlegend eine positive Absicht besitzt. Wie er das tut und mit welchen Ratschlägen grenzt für mich aus der Gründersicht schon an das Niveau von der Stefan Raab Sendung der letzten 15 Jahre, aber fangen wir einmal die Aussagen zu interpretieren:

“Gibt es denn Formalia, die sie bei einem Businessplan erfüllt sehen möchten?
Auf den ersten sechs Seiten muss die Idee rüber kommen. Und zwar nicht nur die Idee, wie das jetzt technisch gelöst wird, sondern vor allem die Idee, wie das am Ende Geld bringen soll[...]”

  • Sicherlich sind VC’s am Output interessiert, den sie mittelfristig damit erreichen wollen. Aber sollte gerade in dieser Frage nicht ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden? Gründer sollten wegen der Idee gründen nicht wegen dem Output. Und wenn sie das tun, dann hat schlussendlich der Investor auch mehr davon. Gründer sollten sich allerdings auch selbst Fragen, warum sie das tun – wer nur hinter dem Geld her ist, den würde ich dann nicht mehr als Gründer oder Enterpreneur bezeichnen, weil einfach die Idee die hinter dem ganzen steckt: Das Ausprobieren und innovativ sein verloren geht.

“Kann ich diese Vorgaben für einen Businessplan lernen?
Die Vorgaben und Formalia stehen im Netz.[...]“

  • Das heisst also für mich als Gründer ich soll mich in der Darstellung gegenüber den VC’s genau so präsentieren wie es andere tun? Das Web 2.0 ist also nicht anderes als Copy und Paste? Wie steht es mit der eigenen Identität?

“Raten Sie Gründern, vorab eine Geheimhaltungsklausel unterschreiben zu lassen? Nein, das ist nicht nötig. Alle, die in der BVK (Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften) oder in der EVCA (European Private Equity and Venture Capital Association) gelistet sind, halten sich streng an einen Ehrenkodex.”

  • Nun ist es uns schonmal wiederfahren, dass die idee geklaut worden ist und das von einem Kapitalgeber, weshalb die Anfälligkeit in diesem Punkt besondern hoch ist. Aber warum sollten VC’s Ideen, die sie selbst umsetzen können, dann nicht einfach adaptieren? Und warum ist das “leider” eine gängig Praxis in der Szene?

“Wenn Sie einen Businessplan gelesen haben, der Ihnen gut gefallen hat, wie geht es dann intern weiter?
Der Ablauf ist bei uns sehr festgelegt. Jeder Businessplan wird in einer Datenbank eingetragen.[...]“

  • hm…also jeder Businessplan der dem VC vor die Nase gelegt wird bekommt einen Vermerkt in eine Datenbank. Jetzt wäre es nur noch interessant zu wissen, welche Informationen in diese so eingespeist werden -das stärkt für mich auf jeden Fall die Argumentation gegen den Ehrenkodex, denn eine schöne Ideensammlung kann ganz schön was Wert sein, oder?

Schlussfolgernd kann man hier niemandem etwas unterstellen. Die Argumentationen und Positionen zu den einzelnen Frage sind teilweise wirklich komisch und sprechen nicht wirklich für die VC Szene. In diesem Sinne möchte ich noch auf eine Buchreview verweisen, wo allein schon der Tiltel jeden wirklichen Gründer ansprechen sollte: Kopf schlägt Kapital.

zum Weiterlesen:

  1. Gründen mit Komponenten – was ist das?
  2. Erfahrungsbericht: Geld-Magazin.de
  3. Wunschdomain adé – nein doch nicht?
  4. Technologie Partner Part I
  5. wie strukturiere ich einen Businessplan?

5 Kommentare zu “Gründer oder VC – Wer ist hier eigentlich die Pappnase?”

  1. @das_StartUp sagt:

    New blog post: Gründer oder VC – Wer ist hier eigentlich der Idiot? http://tinyurl.com/4c23zu

  2. Petra Panther sagt:

    “wer nur hinter dem Geld her ist, den würde ich dann nicht mehr als Gründer oder Enterpreneur bezeichnen, weil einfach die Idee die hinter dem ganzen steckt: Das Ausprobieren und innovativ sein verloren geht.”

    Ich glaube du verwechselst Gründer mit Erfinder. Wer als Entrepreneur nicht auf ein tragfähiges Geschäftsmodell aufbaut und verschiedene Szenarien entwirft, die realistisch und profitabel sind, ist unseriös.

    Diese Vorgehensweise ist okay, wenn sich etwas im Entwicklungsstadium befindet und die Gründer ihren Lebensunterhalt mit einer anderen Beschäftigung bestreiten. Sobald man aber ernsthaft sich um Geld bemüht, muss der Gründer in seinem eigenen Interesse sich um die Realisierbarkeit eines Geschäftsmodells Gedanken machen.

    Innovationen sind schön und gut, wenn sie allerding von Anfang an aufgrund z.B. von Marktstrukturen zum Scheitern verurteilt sind, macht es auch keinen Sinn, da zu investieren.

    In diesem Fall ist also wohl eher das Startup die Pappnase.

  3. Mr. Startup sagt:

    Hallo Petra,

    über die Tragfähigkeit der Innovation verliere ich kein Wort und das was du beschrieben hast ist zu 100% richtig. Aber es geht hierbei einfach um die Definition von Gründer/Enterpreneur und wie der VC an die Idee als solche rangeht.
    Dieser meinte zu der Beschreibung der Idee, dass ihn “vor allem die Idee, wie das am Ende Geld bringen soll” interessiert – also quasi das Monetarisierungsmodell.

    Vielmehr sollte er aber doch von der Idee überzeugt sein. Denn wenn die Idee innovativ, neu und atemberaubend ist, dann kann man sie auch ohne Probleme zu Geld machen. Andersherum ist der schwer, oder?

  4. M. sagt:

    Ich habe mir besagtes Interview ebenfalls angesehen und nach langem überlegen einfach mal Kontakt mit NP aufgenommen.

    Da wir uns momentan selbst auf Kapitalsuche befinden und uns durchaus klar ist das die momentane Situation für VC weniger rosig ist hatten wir keine großen Erwartungen, doch NP hat es gezielt geschafft diese Erwartungen noch weit zu untertreffen.

    Wird im Videointerview noch stolz erzählt man habe ein Interesse daran sich mit jungen Gründern auszutauschen, so sieht das in der Realität leider ganz anders aus. Statt relevantem Feedback bekommt man eine kurze und knackige Standartmail a la: Pech gehabt, ihr passt uns nicht. :-( sehr traurig und, wie ich hoffe nicht bezeichnend für die VC Szene.

    Unter einem besonders fragwürdigen Stern steht die ganze Sache, wenn man sich einige Investments von NP ansieht.
    Jupidi? Hallo tragfähiges Erlösmodell? Sry, aber dieser Dienst wird vermutlich niemals den Break Even erreichen, geschweige denn Gewinne abwerfen. Das mögen manche Leute anders sehen, für mich ist es schlucht Fakt. Wir brauchen keine weitere Handy Flirtline.

    Ansonsten gebe ich sowohl Petra, als auch Mr. Startup recht:

    1. Monetaresierungsmodelle müssen selbst aus einem One Pager klar hervorgehen. Ohne Erlösmodell kein Funding!

    2. Cash is king? Nein, nun wirklich nicht! Wie Mr. Startup schreibt sollte eine innovative Idee sehr viel mehr wert sein als eine Zahl in einer Bilanz. Denn die Vergangenheit zeigt eines ganz deutlich: Gründer und Unternehmer die hinter ihrem Business Case und ihrer innovativen Idee stehen haben meist auch ohne von vorneherein festgelegtes Monetaresierungsmodell Erfolg. Ich denke dabei an Unternehmen wie Youtube oder gerne auch Google (wenn man die Anfangszeit betrachtet). Für mich lässt sich daraus eine Erkenntnis ableiten: Gute Ideen die wirklich einen Markt haben werden sich früher oder später refinanzieren, auch wenn das anfangs noch nicht ersichtlich war.

    Soviel dazu.
    An die StartUpper: Ich würde mich über Kontakt zu euch sehr freuen.

    Vg M.

  5. Florian Komm sagt:

    Vielen Dank für die Erwähnung von “Kopf schlägt Kapital”.

    Unter http://www.entrepreneurship.de bietet Prof. Faltin viele weitere Texte kostenlos zum Lesen und Download an.

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